Verletzungen im Leistungssport: die häufigsten Ausfälle, Ausfallzeiten laut Studien, Wege zurück, erzählt von Athleten
Rund 80 Prozent der Profis in den vier großen Ligasportarten verletzen sich laut VBG-Sportreport mindestens einmal pro Saison, im Schnitt 2,2-mal. Nach einer Kreuzbandrekonstruktion kehren laut Meta-Analysen 55 bis 90 Prozent auf ihr Niveau zurück, je nach Gruppe. Dieses Dossier sammelt die Zahlen, erklärt, wer die Rückkehr entscheidet, und gibt wieder, was Athleten selbst berichten. Keine Ratschläge. Living Doc, Stand 11. September 2026.

Stand: 11. September 2026. Dieses Dossier beschreibt, wie oft sich Leistungssportler verletzen, wo, wie lange sie laut Studien ausfallen und wer über die Rückkehr entscheidet. Es enthält keine Gesundheitsratschläge, keine Therapieempfehlung und keine Bewertung von Behandlungen. Angaben zu einzelnen Athleten stammen ausschließlich aus deren eigenen öffentlichen Aussagen oder aus Verbandsmeldungen. Es wird bei neuen Erhebungen fortgeschrieben; das Protokoll steht am Ende.
1. Wie oft: die Zahlen der VBG
Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) ist der Unfallversicherer der bezahlten Sportler in Deutschland und wertet seit dem 1. Juli 2014 die Verletzungen in den zwei höchsten Männerligen in Basketball, Eishockey, Fußball und Handball aus. Der Sportreport 2025, erschienen im August 2025 zum Start der Fußball-Bundesliga, umfasst nach Angaben der DGUV neun Saisons und 59.939 Verletzungen. Die Kernzahlen der VBG:
- Rund 80 Prozent der Profis verletzen sich innerhalb einer Saison mindestens einmal.
- Im Schnitt kommt jeder Spieler auf rund 2,2 Verletzungen pro Jahr.
- Die Zahl der Verletzungen pro Spieler und Saison ist über den Auswertungszeitraum laut DGUV-Beitrag rückläufig.
Die Zahlen gelten für vier Mannschaftssportarten mit Arbeitsverträgen. Für Individualsportarten im Kadersystem gibt es keine vergleichbare öffentliche Statistik; Verbände melden Ausfälle einzeln.
2. Wo: die Körperregionen
Im Fußball betreffen laut VBG mehr als 65 Prozent der im Sportreport 2025 analysierten Verletzungen den Unterkörper; der Oberschenkel ist der „Hotspot“. Im Training seien es häufig Muskelfaserrisse im Oberschenkel, im Wettkampf oft Prellungen nach Zweikämpfen. Die DGUV nennt für die Saisons 2021/22 und 2022/23 je Sportart die häufigste Region: Fußball Oberschenkel (rund 20 Prozent), Handball Sprunggelenk (rund 17 Prozent), Basketball Sprunggelenk (rund 25 Prozent), Eishockey Kopf (rund 20 Prozent).
Die VBG schreibt dazu, Verletzungen entstünden neben Foulspiel auch durch Überlastung und schnelle Bewegungen, und verweist auf Prävention. Welche Maßnahmen für wen sinnvoll sind, klären Athleten mit ihrem medizinischen Team; dieses Dossier bewertet das nicht.
3. Wie lange: das Kreuzband als Referenzfall
Der Riss des vorderen Kreuzbands ist die Verletzung mit der besten Studienlage zur Rückkehr. Zwei Meta-Analysen setzen den Rahmen.
| Studie | Datenbasis | Rückkehr in irgendeinen Sport | Rückkehr auf Vorverletzungsniveau | Rückkehr in Wettkampfsport | Dauer |
|---|---|---|---|---|---|
| Ardern et al., BJSM 2014 | 69 Studien, 7.556 Teilnehmer, gemischte Gruppen | 81 % | 65 % | 55 % | nicht ausgewiesen |
| D'Ambrosi et al., KSSTA 2026 | 49 Studien, 4.463 Elite- und Profiathleten | 85,8 % | fast 90 % (der Zurückgekehrten) | nicht ausgewiesen | im Mittel 292 Tage |
Die Unterschiede erklären sich aus den Gruppen: Ardern zählte Freizeit- bis Profisportler, D'Ambrosi nur Elite- und Profiathleten mit medizinischer Betreuung. In der Elitegruppe lag die Rate des Transplantatversagens bei 7 Prozent. Beide Arbeiten sind Zählungen, keine Prognosen für eine einzelne Person.
4. Wer entscheidet die Rückkehr
„Return-to-play“ (RTP) bezeichnet den Prozess von der Verletzung bis zur Freigabe für Training und Wettkampf. Beteiligt sind Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapie, Trainer und die Athletin oder der Athlet. Für Kaderathleten hat der DOSB den Olympiastützpunkten die Aufgabe zugewiesen, dass Athleten „im Verletzungs- oder Krankheitsfall schnell und fachkundig versorgt und nach Möglichkeit wieder in den Trainingsprozess integriert werden können“. Dafür bauen die Stützpunkte Netze aus Praxen und Kliniken; der OSP NRW/Westfalen hat am 4. September 2026 eine sportkardiologische Praxis als Kooperationspartner aufgenommen, mit Terminvergabe über die Athletenbetreuung.
Wie nah die Versorgung am Training liegt, nennen Athleten selbst als Faktor: Emil Agyekum führt seine Saison 2026 gegenüber dem DLV unter anderem auf die „naheliegende Physiotherapie“ am Bundesstützpunkt Frankfurt zurück.
5. Erzählt von Athleten
Drei Fälle aus Verbandsmeldungen des September 2026, wiedergegeben so, wie die Beteiligten oder ihre Verbände sie benannt haben.
Sarah Vogel, Stabhochsprung. Die 24-Jährige berichtete dem DLV am 3. September 2026, dass sie im Februar 2024 erkrankte und die Diagnose ME/CFS erhielt; zeitweise konnte sie nicht selbstständig leben. Zuvor hatte sie nach dem U20-EM-Titel 2021 eine Fußverletzung, 2022 eine Zehenoperation und ein halbes Jahr Pause. Im August 2026 sprang sie mit 4,42 m persönliche Bestleistung. Über Behandlungen sagt der DLV-Text nichts.
Sebastian Hendel, Straßenlauf. Der Läufer des SCC Berlin gewann laut DLV-Flash-News vom 6. September 2026 den Dresdner Halbmarathon in 64:36 min „nach einer halbjährigen verletzungsbedingten Wettkampfpause“. Die Art der Verletzung nennt der Verband nicht, deshalb steht sie auch hier nicht.
Clemens Wickler, Beachvolleyball. Team Deutschland meldete am 10. September 2026, dass Wickler in dieser Saison wegen einer Schulterverletzung ausfiel, sein Partner Nils Ehlers in der Zeit mit Lui Wüst spielte und Wickler „mittlerweile wieder voll im Training steht“. Die Partnerschaft Ehlers/Wickler endete danach; beide starten mit neuen Partnern.
6. Comeback als Förderfall
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe führt ein Comeback- und Aufbau-Team; in der Wintersport-Förderperiode 2025/26 gehörten ihm 4 der 759 geförderten Athleten an. Der Kaderstatus, an dem Förderung und Stützpunktbetreuung hängen, kann bei Verletzung verloren gehen; einzelne Landessportbünde kennen dafür Übergangskader, etwa Niedersachsen (Kapitel im Dossier Leistungssport in Deutschland).
7. Ausfälle im Wettkampfkalender
Wie Verletzungen eine Saison beenden, zeigen die DLV-Flash-News der ersten Septemberwoche 2026 an internationalen Beispielen, jeweils nach Angaben der Athleten selbst: Stabhochsprung-Weltrekordler Armand Duplantis sagte den Start beim Diamond-League-Finale in Brüssel wegen Oberschenkelproblemen ab, die nach seinen Worten in London begonnen hatten. Sprinter Noah Lyles beendete die Saison nach einer Zerrung von Ende Juli, die laut seiner Aussage weitere Probleme ausgelöst hatte. Weitspringerin Tara Davis-Woodhall sagte die Ultimate Championships nach einem Autounfall ab und beendete ihre Saison 2026. In allen drei Fällen fiel die Entscheidung nach Aussage der Athleten gemeinsam mit ihrem Team.
Für Kaderathleten in Deutschland kommt eine formale Ebene hinzu: Wer Medikamente braucht, die auf der Verbotsliste stehen, muss bei der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) eine Medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) beantragen. Die NADA unterscheidet dabei zwischen Testpool- und Nicht-Testpool-Athleten. Welche Regel für wen gilt, steht auf den NADA-Seiten; die Klärung läuft über Ärztin oder Arzt und Verband.
8. Rückkehr nach Schwangerschaft: der Förderrahmen
Nicht jede Pause ist eine Verletzung. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hat im Mai 2026 die Förderung für schwangere Athletinnen und für Eltern im Spitzensport ausgebaut: Die monatliche Förderung während der Schwangerschaft orientiert sich an der bisherigen Einstufung, Athletinnen im Top-Team ohne Sportförderstelle behalten im Programm #comebackstronger ihren Betrag, und Mütter wie Väter im Potenzial- oder Top-Team können innerhalb einer zwölfmonatigen Förderperiode bis zu 6.000 Euro für Kinderbetreuung erhalten. Für Athletinnen, die nach der Geburt zurückkehren wollen, ist damit die finanzielle Seite geregelt; über Training und Belastung nach einer Schwangerschaft entscheiden Ärztinnen, Ärzte und Trainer im Einzelfall.
Was das für Athleten heißt
Die Zahlen sagen zwei Dinge. Erstens: Verletzungen sind in den Ligasportarten die Regel, nicht die Ausnahme; wer zwei pro Jahr hat, liegt im Schnitt. Zweitens: Die Rückkehrquote hängt von der Betreuung ab, und Elitegruppen mit Stützpunkt- oder Klubmedizin liegen in den Studien deutlich über gemischten Gruppen. Für Eltern und Trainer heißt das, den Weg zur Versorgung zu kennen, bevor er gebraucht wird. Wann jemand zurückkehrt, entscheidet das medizinische Team gemeinsam mit der Athletin; kein Wert aus diesem Dossier ersetzt diese Entscheidung.
Kurz gesagt: 2,2 Verletzungen pro Jahr, 55 bis 90 Prozent Rückkehr je nach Gruppe, und die Freigabe gibt das Team, nicht die Statistik.
Dieser Beitrag beschreibt Studien und öffentliche Aussagen von Athleten. Er enthält keine medizinische Bewertung, keine Therapieempfehlung und ersetzt keine medizinische oder trainingswissenschaftliche Beratung.
Quellen
- VBG: Sportreport 2025, Übersichtsseite, August 2025. Tier 2. https://www.vbg.de/cms/nachwuchskicker/vbg-sportreport/sportreport-2025
- VBG: Das sind die häufigsten Verletzungen in der Bundesliga, Sportreport 2025. Tier 2. https://www.vbg.de/cms/nachwuchskicker/vbg-sportreport/sportreport-2025/das-sind-die-haeufigsten-verletzungen-in-der-bundesliga
- DGUV forum 7-8/2025: Der VBG-Sportreport, Daten, Fakten und Strategien für mehr Sicherheit im Profisport. Tier 2. https://forum.dguv.de/ausgabe-7-8-2025/der-vbg-sportreport-daten-fakten-und-strategien-fuer-mehr-sicherheit-im-profisport/
- Ardern CL, Taylor NF, Feller JA, Webster KE: Fifty-five per cent return to competitive sport following anterior cruciate ligament reconstruction surgery, Br J Sports Med 2014;48(21):1543-1552. Tier 3. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25157180/
- D'Ambrosi R et al.: The majority of elite and professional athletes return to the preinjury level of activity after anterior cruciate ligament reconstruction, Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2026, online 31. August 2025, DOI 10.1002/ksa.70020. Tier 3. https://europepmc.org/article/MED/40886081
- DOSB: Olympiastützpunkte, Aufgaben. Tier 1. https://www.dosb.de/leistungssport/olympiastuetzpunkte
- Olympiastützpunkt NRW/Westfalen: Kardiologie am Phoenixsee wird neuer Kooperationspartner, 4. September 2026. Tier 2. https://www.osp-westfalen.nrw/kardiologie-am-phoenixsee-wird-neuer-kooperationspartner-des-olympiastuetzpunkt-nrw-westfalen/
- DLV, leichtathletik.de: Sarah Vogel, 3. September 2026. Tier 2. https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/82333-sarah-vogel-nach-absturz-wieder-auf-hoehenflug
- DLV, leichtathletik.de: Flash-News am Sonntag, 6. September 2026. Tier 2. https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/82342-flash-news-am-sonntag
- Team Deutschland (DOSB): Beachvolleyball, Ehlers/Wickler gehen getrennte Wege, 10. September 2026. Tier 1. https://www.teamdeutschland.de/news/details/beachvolleyball-ehlers-wickler-gehen-getrennte-wege
- DLV, leichtathletik.de: Emil Agyekum, 10. September 2026. Tier 2. https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/82352-emil-agyekum-mit-positivem-mindset-und-konstanz-in-die-weltspitze
- Stiftung Deutsche Sporthilfe: Wintersport-Förderperiode 2025/2026, 29. Oktober 2025. Tier 2. https://www.presseportal.de/pm/51413/6147363
- DLV, leichtathletik.de: Flash-News vom 5., 7. und 8. September 2026 (Lyles, Duplantis, Davis-Woodhall). Tier 2. Links im Frontmatter.
- NADA: Im Krankheitsfall, Medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE). Tier 1. https://www.nada.de/medizin/im-krankheitsfall-medizinische-ausnahmegenehmigung-tue
- Stiftung Deutsche Sporthilfe: Sporthilfe baut Förderung für schwangere Athletinnen und Spitzensportlerinnen und -sportler mit Kindern aus, Mai 2026. Tier 2. https://www.presseportal.de/pm/51413/6271501
Änderungsprotokoll
- 2026-09-11: Erstfassung. VBG-Sportreport 2025, DGUV-Beitrag 2025, Kreuzband-Meta-Analysen 2014 und 2026, OSP-Aufgaben, Athletenberichte Vogel, Hendel, Wickler (September 2026), Sporthilfe Comeback-Team, Saisonabbrüche internationaler Athleten laut DLV, NADA-TUE-Hinweis, Sporthilfe-Förderung nach Schwangerschaft (Mai 2026).
Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder trainingswissenschaftliche Beratung.