Sophie Weißenberg: 20 Monate ohne Wettkampf, dann zwei Bestleistungen in elf Wochen
Am 9. Mai 2026 stand Sophie Weißenberg (TSV Bayer 04 Leverkusen) in Lisse zum ersten Mal seit den Olympischen Spielen 2024 wieder in einer Ergebnisliste. Am 31. Mai folgten 6.449 Punkte in Götzis, Bestleistung. Am 16. August 6.496 Punkte und Platz fünf bei der EM in Birmingham. Der Weg zurück, wie ihn der Verband und sie selbst öffentlich beschrieben haben.

Samstag, 9. Mai 2026, Lisse in den Niederlanden: Weitsprung 6,35 m, Kugelstoßen 13,87 m. Für Sophie Weißenberg (TSV Bayer 04 Leverkusen) waren es die ersten Wettkampfergebnisse seit den Olympischen Spielen 2024. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) meldete an diesem Tag: Comeback nach 20 Monaten. So weit gesprungen wie in Lisse war sie laut DLV seit vier Jahren nicht. Die beiden Disziplinen waren als Test gedacht, drei Wochen vor dem ersten Siebenkampf; als erste Mehrkämpfe nannte der DLV Götzis und Ratingen. Das Kugelstoßergebnis war laut DLV ihr bestes seit 2024, die Weite die beste seit vier Jahren.
Alle Angaben zur Verletzung in diesem Text stammen aus Meldungen des DLV und aus Gesprächen, die Weißenberg dem Verband gegeben hat.
Der Riss beim Einlaufen
Im Sommer 2024 riss Weißenberg in Paris beim Einlaufen für die 100 m Hürden die Achillessehne, noch vor der ersten Disziplin der Olympischen Spiele. Am Tag danach wurde sie laut DLV in München operiert. Im Januar 2025, in einem Gespräch mit dem Verband aus dem Trainingslager in Südafrika, beschrieb sie den Stand: Standwürfe, Speerwerfen aus dem Anlauf, Gehen, Fußgelenkstabilisation und Wadenheben gingen; schnelle und explosive Bewegungen noch nicht. Zuerst müsse die Sehne ihre Elastizität zurückbekommen, dann kämen Laufübungen und Hürdenkoordination. Die ersten acht Wochen nach der Verletzung hatte sie den Sport ganz weggelassen und nannte diese Pause im Rückblick hilfreich. Für 2025 plante sie keine Hallensaison und kein Götzis, höchstens einen Mehrkampf im Sommer; die eigentliche Rückkehr setzte sie für 2026 an. Ihr Satz aus diesem Gespräch: „Ich muss wieder rausfinden, wo meine körperlichen Grenzen sind.“
Der letzte vollständige Siebenkampf davor lag im September 2023. Bei der WM in Budapest 2023 war sie Siebte geworden.
Vor der Verletzung
Weißenberg ist Jahrgang 1997. Ihre ersten internationalen Medaillen holte sie laut DLV-Athletenporträt im Weitsprung: Silber bei der U20-WM 2016, dazu 2019 den deutschen U23-Titel in dieser Disziplin. Im selben Jahr wurde sie Zweite im Siebenkampf bei der U23-EM. Dass sie den Mehrkampf überhaupt weiter betrieb, war 2018 nicht ausgemacht: In einem DLV-Gespräch aus jenem Jahr, damals startete sie für den SC Neubrandenburg, beschrieb sie, wie sie den Siebenkampf wegen Schwächen über 800 m, im Kugelstoßen und im Speerwurf zugunsten des Weitsprungs beiseitegelegt hatte und nach einem Auslandsaufenthalt in Australien über eine 600-m-Trainingseinheit zurückfand. Im Mai 2018 kam sie in Halle auf 5.747 Punkte. Acht Jahre später stehen 6.496 in der Liste.
Ein Winter in den Niederlanden
Seit Januar 2026 trainiert Weißenberg laut DLV in den Niederlanden bei Steven Nuytinck, in einer Gruppe mit Emma Oosterwegel und Sofie Dokter. Der Schwerpunkt des Winters lag nach ihren Angaben auf Krafttraining und allgemeiner Fitness. Im DLV-Athletenporträt steht als Vereinstrainer weiterhin Jörg Roos, Leverkusen. Ihr Freund, der niederländische Zehnkämpfer Sven Roosen, startete in Götzis im selben Meeting.
Götzis, 31. Mai: 6.449 Punkte
Drei Wochen nach Lisse stand sie beim Hypomeeting in Götzis in ihrem ersten Siebenkampf seit 2023. 100 m Hürden 13,40 s, Bestzeit. Hochsprung 1,74 m. Kugelstoßen 13,78 m. 200 m 23,25 s, Bestzeit. Weitsprung 6,40 m, Saisonbestleistung, 30 Zentimeter weiter als in ihrem bisher besten Siebenkampf. Speerwurf 46,12 m, laut DLV unter ihren Erwartungen. 800 m 2:15,37 min, ihre erste Bestzeit über diese Strecke seit sieben Jahren. Summe: 6.449 Punkte, elf Punkte über ihrer alten Bestleistung, Platz vier. Die EM-Norm für Birmingham war damit erfüllt.
Was sie danach dem DLV sagte, steht in der Überschrift des Verbandstexts vom 3. Juni: So viel Spaß habe sie noch nie gehabt.
„Comeback mit Bestleistung – besser hätte ich es mir nicht erträumen können!“ Sophie Weißenberg, leichtathletik.de, 31. Mai 2026
Birmingham, 16. August: 6.496 Punkte
Elf Wochen später, bei der EM in Birmingham, verbesserte sie diese Marke erneut. 100 m Hürden 13,19 s, Bestzeit. Hochsprung 1,80 m, die erste 1,80 m seit der Verletzung, fünftbeste Höhe im Feld; nach zwei Disziplinen lag sie mit 2.074 Punkten auf Rang drei. Kugelstoßen 14,04 m. 200 m 23,39 s. Weitsprung 6,56 m, Bestleistung. Speerwurf 44,34 m. 800 m 2:21,22 min. Summe 6.496 Punkte, Platz fünf. Gold ging an Kate O'Connor (Irland, 6.751), Silber an Emma Oosterwegel (6.713), Bronze an Sofie Dokter (6.664), ihre beiden Trainingspartnerinnen.
Dem DLV sagte sie in Birmingham, es sei ihr bester Wettkampf gewesen, und sie glaube, dass noch mehr gehe.
Die Zahl, die sie sich gesetzt hat
Im Januar 2025 nannte sie dem DLV ein Ziel, das weiter weg lag als jeder Wettkampf des Jahres: die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, mit 30 Jahren. Als Beispiel führte sie Katarina Johnson-Thompson an, die 2024 vier Jahre nach einem Achillessehnenriss Olympia-Silber gewonnen hatte. Zwischen dem Januar in Südafrika und dem August in Birmingham liegen zwei Siebenkampf-Bestleistungen und Einzelbestleistungen in den Hürden, über 200 m, über 800 m, im Hochsprung und im Weitsprung.
Was das für Athleten heißt
Weißenbergs Rückkehr ist in den Verbandsmeldungen ungewöhnlich genau dokumentiert: acht Wochen ohne Sport, ein halbes Jahr mit Standwürfen und Gehen, ein Jahr bis zum ersten Mehrkampf, dann die Bestleistung. Das ist der Verlauf einer Athletin mit Kaderstatus, Operation am Folgetag und Trainingslagern im Winter. Über Behandlung, Reha-Protokoll oder Belastungssteuerung sagen die Quellen nichts, und dieser Text sagt dazu auch nichts. Wer eine ähnliche Verletzung hat, spricht mit Ärztinnen, Ärzten und dem eigenen Trainer.
Kurz gesagt: 20 Monate keine Ergebnisliste, dann 6.449 und 6.496 Punkte innerhalb von elf Wochen.
Dieser Beitrag beschreibt, was der Verband gemeldet und die Athletin öffentlich gesagt hat. Er enthält keine medizinische Bewertung und keine Empfehlung.
Quellen
- DLV, leichtathletik.de: Sophie Weißenberg begeistert als Fünfte in hochklassigem Siebenkampf, 16. August 2026, Tier 2, https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/82237-birmingham-tag-56-der-siebenkampf-von-disziplin-zu-disziplin
- DLV, leichtathletik.de: Sophie Weißenberg: „So viel Spaß hatte ich noch nie“, 3. Juni 2026, Tier 2, https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/81922-sophie-weissenberg-so-viel-spass-hatte-ich-noch-nie
- DLV, leichtathletik.de: Götzis 2026 | Sophie Weißenberg strahlt beim Comeback über Bestleistung und Platz vier, 31. Mai 2026, Tier 2, https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/81899-goetzis-2026-sophie-weissenberg-strahlt-beim-comeback-ueber-bestleistung-und-platz-vier
- DLV, leichtathletik.de: Comeback nach 20 Monaten: Sophie Weißenberg ist zurück, 9. Mai 2026, Tier 2, https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/81830-comeback-nach-20-monaten-sophie-weissenberg-ist-zurueck
- DLV, leichtathletik.de: Sophie Weißenberg: „Ich muss wieder rausfinden, wo meine körperlichen Grenzen sind“, 13. Januar 2025, Tier 2, https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/80196-sophie-weissenberg-ich-muss-wieder-rausfinden-wo-meine-koerperlichen-grenzen-sind
- DLV, leichtathletik.de: Sophie Weißenberg und ihre 600 Meter zurück zum Siebenkampf, 2018, Tier 2, https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/sophie-weissenberg-und-ihre-600-meter-zurueck-zum-siebenkampf
- DLV: Athletenporträt Sophie Weißenberg, abgerufen 12. September 2026, Tier 2, https://www.leichtathletik.de/nationalmannschaften/olympische-leichtathletik/athletenportraets/athlet-detail/detail/Sophie-Wei%C3%9Fenberg