Porträt · Athleten

Merlin Hummel: 81,46 m im ersten Versuch, und danach musste keiner mehr nachlegen

Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt) hat am 11. September 2026 in Budapest den Hammerwurf der ersten World Athletics Ultimate Championships gewonnen: 81,46 m im ersten Versuch, 81,44 m im dritten, Siegprämie 150.000 US-Dollar. Sechzehn Monate zuvor war er der erste Deutsche seit 18 Jahren über 80 Meter. Der Weg dazwischen, in Weiten, Daten und einer Entscheidung.

Hanna Voigtländer6 Min. Lesezeit
Merlin Hummel: 81,46 m im ersten Versuch, und danach musste keiner mehr nachlegen
Symbolbild: Athletenblick (KI-generiert)

Der erste Versuch am Freitagabend, 11. September 2026, in Budapest: 81,46 m. Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt) war der dritte Werfer im Ring der World Athletics Ultimate Championships, und nach diesem Wurf stand er vorn. Bence Halász (Ungarn), Europameister, hatte mit 80,30 m eröffnet. Ethan Katzberg (Kanada), Olympiasieger und zweimaliger Weltmeister, hatte einen ungültigen Versuch. So berichtet es der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) am selben Abend.

Das Format ließ wenig Spielraum. Acht Werfer, zunächst zwei Versuche für alle, danach blieben sechs, nach dem dritten Durchgang vier. Im zweiten Versuch rutschte Hummel im Ring weg, ungültig. Katzberg rutschte ebenfalls, der Hammer flog ins Netz, und nach zwei ungültigen Versuchen war sein Wettkampf beendet. Im dritten Durchgang warf Hummel 81,44 m, zwei Zentimeter weniger als im ersten. Halász blieb bei seinen 80,30 m. Der vierte Versuch brachte keine Steigerung und wurde ungültig gegeben, aber das spielte keine Rolle mehr. Endstand: Hummel 81,46 m, Halász 80,30 m, Mykhaylo Kokhan (Ukraine) 78,90 m. Die Siegprämie für jede der 26 Einzeldisziplinen: 150.000 US-Dollar.

Die Jahre davor, in Medaillen

Hummel ist Jahrgang 2002. Das DLV-Athletenporträt führt für ihn Silber beim Europäischen Olympischen Jugendfestival 2019, Silber bei der U20-EM 2021, den ersten Titel bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven 2022, Silber bei der U23-EM 2023 und Platz zwei bei der DM 2024. Dazu die deutschen Winterwurf-Titel 2023, 2024 und 2025. Auf Weltebene stand er 2025 zum ersten Mal in einem Finale; bei den World University Games in Bochum-Wattenscheid im Sommer 2025 wurde er Zweiter.

Sechzehn Monate zuvor: der erste 80er

Am 24. Mai 2025 warf Hummel bei den Halleschen Werfertagen 80,11 m, dazu 79,36 m und 79,75 m im selben Wettkampf. Laut DLV war er damit der erste deutsche Hammerwerfer seit 18 Jahren über der 80-Meter-Marke; zuletzt hatte Markus Esser im August 2007 80,68 m erreicht. Hummel wurde an diesem Tag Zweiter hinter Katzberg (81,22 m), vor Rudy Winkler (USA, 80,01 m). Der DLV zählte ihn damit zum vierten deutschen Hammerwerfer in diesem Jahrhundert über 80 m, nach Esser, Karsten Kobs und Heinz Weis. Sein Kommentar laut Verband: Ihm sei gar nicht bewusst gewesen, dass er der erste Deutsche seit 18 Jahren über dieser Marke sei. Er startete damals noch für die LG Stadtwerke München, Trainer war Martin Ständner.

Vier Monate später, am 16. September 2025, kam das WM-Finale in Tokio. Erster Versuch 82,77 m, persönliche Bestleistung, rund anderthalb Meter weiter als je zuvor. Drei seiner Würfe lagen über 80 m, darunter 82,14 m. Katzberg gewann mit 84,70 m, Halász holte mit 82,69 m Bronze. Für den DLV war es die erste WM-Medaille im Hammerwurf seit 20 Jahren, nach Essers Bronze 2005 in Helsinki. Das Finale brachte laut Verband 15 Würfe über 80 m, so viele wie nie zuvor bei einer WM. Mit 82,77 m steht Hummel auf Platz vier der deutschen Bestenliste, 63 Zentimeter hinter dem deutschen Rekord von Ralf Haber (83,40 m). Sein Ziel nach dem Finale, laut DLV: gesund bleiben, Jahr für Jahr vorankommen, irgendwann 85 Meter werfen.

Die Entscheidung im November

Am 29. November 2025 meldete der DLV den Wechsel: Merlin Hummel, bis dahin LG Stadtwerke München, und sein jüngerer Bruder Matti, bis dahin UAC Kulmbach, schließen sich ab 2026 Eintracht Frankfurt an, mit einer Vereinbarung bis 2028. Matti Hummel, ebenfalls Hammerwerfer, hatte 2025 Bronze bei den Deutschen U20-Meisterschaften gewonnen und war bei der U20-EM in Tampere gestartet. Trainerin in Frankfurt ist Kathrin Klaas, früher selbst Hammerwerferin der Weltspitze. Michael Krichbaum, Leiter der Leichtathletik-Abteilung, begründete die Laufzeit mit den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles: Die beiden sollten „in einem professionellen Umfeld in Ruhe“ darauf hinarbeiten können.

Ein neuer Verein, eine neue Trainerin, ein neuer Trainingsort, im Winter nach der ersten großen Medaille. Was Hummel sich davon für 2026 vornahm, sagte er im Mai vor dem Goldenen Oval in Dresden: Die Würfe sollten stabil zwischen 80 und 81 m liegen; bessere Weiten würden dann aus Technik und Körpergefühl folgen.

Die Saison 2026 in Weiten

Am 24. Mai 2026 in Fränkisch-Crumbach warf Hummel 81,27 m, Meetingrekord, zweitbeste Weite seiner Laufbahn, im zweiten Durchgang 80,45 m. Am 26. Juli wurde er in Bochum-Wattenscheid mit 79,18 m Deutscher Meister. Am 11. August in Birmingham gewann er EM-Silber: 79,08 m im ersten Versuch, 81,30 m im fünften, hinter Halász (84,25 m) und vor Kokhan (79,49 m). Der DLV zitiert ihn danach: „Es war wie bei der WM. Ich war fokussiert. Ich hatte die ganze Zeit den Gedanken im Kopf: Du schaffst das.“ In Chorzów folgten 80,88 m und 81,25 m in zwei aufeinanderfolgenden Versuchen, Saisonbestleistung 81,74 m. Auf der Meldeliste für Budapest stand er laut DLV auf Rang sechs; alle acht Finalisten hatten in dieser Saison über 80 m geworfen.

Das Ziel aus dem Mai, „stabil zwischen 80 und 81 Metern“, steht damit in der Ergebnisliste: Fränkisch-Crumbach 81,27 m, Birmingham 81,30 m, Chorzów 81,25 m, Budapest 81,46 m und 81,44 m. Der große Ausreißer nach oben, die 82,77 m aus Tokio, blieb 2026 aus. Die Zahl der Wettkämpfe über 81 m stieg.

„Ich wollte einfach heute zeigen, was ich draufhabe. Das ist mir zu 80 Prozent gelungen.“ Merlin Hummel, leichtathletik.de, 11. September 2026

Was nach Budapest kommt

Was er mit dem Preisgeld mache, wurde er in Budapest gefragt. Erst Steuern zahlen, dann den Rest anlegen, sagte er dem DLV. Danach Urlaub, dann ein Lehrgang bei der Bundeswehr, „danach geht's weiter“. Zum Format der Ultimate Championships, vier statt sechs Versuche, sagte er: Bei sechs Versuchen habe er ohnehin immer zwei schlechte dabei, die habe er hier weglassen müssen.

Was das für Athleten heißt

Hummels Jahr 2026 ist ein Beispiel dafür, wie ein Ziel aussehen kann, das nicht „weiter als je zuvor“ heißt. Er hat im Mai eine Spanne genannt, 80 bis 81 m, und sie in vier Wettkämpfen getroffen; die Bestleistung aus Tokio hat er nicht angegriffen. Wer Trainer oder Athlet ist, kann daraus mitnehmen, dass Stabilität ein eigenes, messbares Saisonziel sein kann. Was der Vereins- und Trainerwechsel im Winter dazu beigetragen hat, lässt sich aus den Meldungen nicht ablesen; die Weiten stehen erst seit Mai wieder in den Listen.

Kurz gesagt: Ein Wurf am Anfang, 81,46 m, und ein Jahr, in dem die 81 zur Gewohnheit wurde.

Quellen